Neuer Charme

Sanierung einer historischen Villa in Innsbruck

Das Objekt wurde im Jahr 1898 von den Baumeistern Carl Kohnle und Carl Albert für Anton Wagner erbaut.

Beschreibung:
Bei dem Objekt handelt es sich um eine dreigeschossige, straff gegliederte Zinsvilla mit Walmdach, 5:3-Achsen und risalitartigen Erkern an den abgeschrägten Ecken der Frontseite. Diese werden von gekappten, gesimsbekrönten Zwiebelhelmen über Attika abgeschlossen. An der Straßenfront befindet sich die mittlere Portalachse in seichtem Risalit, an der Hinterfront ist sie von Balkonen mit ornamentiertem Schmiedeeisengitter flankiert.
Der Dekor ist maßvoll und weist barockisierende Motive auf. Das Erdgeschoss ist durch Bänderung gekennzeichnet, das Rechteckportal wird von bossierten Quadern flankiert und in der Frieszone befinden sich unter dem Kordongesims Volutenkapitelle.

Die zweiflügelige altdeutsche Haustür ist schlicht verziert, die Fenster sind in geohrten, keilsteinbekrönten Rahmen mit Brüstungsgesimsen angeordnet. In den Obergeschossen des Risalits manifestiert sich eine durchgehende Gitterstruktur, die durch kräftige Ortsteinbänderung gerahmt wird. Die Achsen der durchgehenden Pilaster sind mit festonverzierten Kapitellen versehen und teilen den Raum in separate Sektoren. An den Seitenfronten sind lediglich die Hauskanten der Pilaster akzentuiert. Im ersten Obergeschoss wurde eine Durchbrechung des Brüstungsgesimses von den Pilastersockeln festgestellt.

Im ersten Obergeschoss manifestiert sich eine besonders reichhaltige Rahmung der Fenster, die durch Parapettfelder und Kartuschenaufsätze unter einem gebrochenen Segmentbogengesims akzentuiert wird. Im zweiten Stockwerk manifestiert sich ein durchgehendes Gesimsband in Höhe der von ornamentierten Konsolen getragenen Brüstungsgesimse. Bemerkenswert ist zudem der Keilsteinschluss der Fenster, welche durch Muschelaufsätze unter horizontalem Gesims geschmückt sind. In der Frieszone, die sich unter dem Kranzgesims befindet, sind geometrische Felder mit gerahmtem Kreis über der Fensteröffnung zu sehen.

Im Inneren befindet sich ein kreuzgewölbtes, pilastergegliederte Foyer sowie eine zweiachsige Treppe mit Marmorstufen, die von einem ornamentierten Schmiedeeisengeländer gerahmt ist. Bei dem Objekt handelt es sich um eine originale Garteneinfassung, die mit einem schmiedeeisernen Gitter mit Lanzettenverzierung über einer gemauerten Brüstung ausgestattet ist.Literaturnachweis: WERKNER, Villenarchitektur, 1978, S. 248 ff., Abb. 128, 129.

Sanierungsmaßnahmen:

Dachsanierung: Die gesamte Dacheindeckung inkl. Abdichtungsbahnen und Holzschalungsebene wurde abgetragen und fachgerecht entsorgt. Der bestehende Pfettendachstuhl wurde auf Schäden überprüft und teilweise mit Vollholzbalken ergänzt.

Eine neue Fichtenschalung mit einer Unterdeckbahn wurde auf die bestehende Sparrenlage gegeben. Darüber eine Holzdämmplatte mit 6 cm Stärke inkl. einer Abdichungsbahn, dann Konterlattung und Dachlattung für Hinterlüftung. Die Dachhaut ist in Naturschiefer ausgeführt. Sämtliche Blechanschlüsse wie Saumbleche, Muldenbleche, Rinnenkonstruktionen, Dachdurchdringungen, Kamineinfassungen und Dunstrohre sind in Reinzinkblech ausgeführt. Die Saumblechbreite, die Lage vom Schneefang, sowie die Höhenlage der Rinne bleibt unverändert. Die Grat- u. Firstausbildung erfolgt mit Rollschar. Beim Hauptdach kann die Lüftung durch einen gehobene Rollschar mit Lochgitter erfolgen.

Türme: Die beiden Türme sind straßenseitig angeordnet.
Im Zuge der durchgeführten Maßnahmen wurde die gesamte Dacheindeckung abgetragen und einer fachgerechten Entsorgung zugeführt. Des Weiteren ist die Abdichtungsbahn sowie die Holzschalungsebene demontiert und fachgerecht entsorgt worden.
Die Ausführung der Dachhaut erfolgte in Naturschiefer. Im Rahmen der Instandsetzungsmaßnahmen wurde die Turmfahne demontiert, gereinigt, abgeschliffen und mit einer rosthemmenden Beschichtung versehen. Die Gratausbildung erfolgt mit Rollschar. Es erfolgte eine Ergänzung der Elemente der „Fahne“. Folgendes ist festgestellt worden, sämtliche Blechanschlüsse, wie Gesimsbleche, Tropfbleche und Einbindungsbleche sind in Reinzinkblech ausgeführt. Im Vorfeld der Ausführung erfolgt eine Prüfung, ob eine Verwendung der Profilbleche, beispielsweise der Gesimsbleche, aus Reinzink möglich ist. Bezüglich der Gesimsbleche, Tropfbleche und Einbindungsbleche ist festzuhalten, dass deren Dimension und Höhenlage unverändert bleiben bzw. gemäß Bestand wiederhergestellt werden.

Fassadensanierung: Im Zuge der Dachsanierung bietet es sich an, die Fassade zu sanieren und durch die Farbzuordnung, die aufgrund vom Fassadenbefund (Pescoller Werkstätten April 2024) recherchiert und untersucht wurde wieder zurückzuführen.

Erstfassung von 1898: Die Erstfassung gestaltet die Fassade in drei Farben.

1. Fassadenfläche: Zur Fassadenfläche werden nur die glatten Flächen ohne Füllungen und ohne den genuteten Mittelrisalit über dem Haupteingang gezählt.Die Farbigkeit ist ein helles, leicht rötliches Oliv:

2. Gliederung: Die Gliederung wird in einen leicht orangen Ocker gesetzt: 

3. StuckDer Stuck besitzt denselben Grauwert wie die Fassadenfläche, ist jedoch bedeutend rötlicher: 

Mit dieser Farbenzuordnung wird die Fassade zugleich in einer bestimmten Hinsicht dadurch geordnet, dass die verschiedenen Gliederungsmotive zusammengefasst werden.

Datierung Fassade: 1950 entstand die Zweitfassung und im Jahr 2000 die Letztfassung.

Untersuchung der Fassade: Untersuchung der Fassade hinsichtlich der Interpretationsgeschichte zur Bestimmung der ursprünglichen Interpretation, sowie Aufnahme der Schäden zur Entwicklung eines historisch-ästhetischen und technischen Restaurierungskonzeptes. Literaturhinweis: Fassadenbefund 2024, Pescoller Werkstätten.

Stiegenhaussanierung:

Der elektrische Hauptverteiler: Dieser befand sich neben der Hauseingangstüre mit den Zuleitungen zu den einzelnen Wohnungen. Er entsprach nicht mehr dem aktuellen Stand, deshalb wurde eine Neuinstallation mit Verlegung in den Keller gewählt.

Untersuchung vom Stiegenhaus: Das Stiegenhaus zur Bestimmung der ursprünglichen malerischen Ausstattung an den Wandflächen und den verschiedenen Architekturelementen, sowie an sämtlichen anderen architektonischen Details zur Entwicklung eines objektspezifischen ästhetisch-historischen wie auch technischen Restaurierungskonzeptes.

Das Stiegenhaus ist in seiner Architektur wie auch in seiner architektonischen Ausstattung (Geländer, Treppenläufe, Türen) noch ursprünglich. Untersucht wurde die ursprüngliche Interpretation des Stiegenhauses. Die einzelnen Farbigkeiten wurden nicht in einen Farbcode übersetzt, da durch die Komplexität der Fassung – unter der Voraussetzung, dass die ursprüngliche Fassung rekonstruiert wird – die Farbigkeiten vor Ort nachgemischt werden müssen. Weitere Informationen siehe Fassadenbefund 2024, Pescoller Werkstätten.

Historisches-ästhetisches Konzept: Ein Neuanstrich auch in einer neuen Farbigkeit (Farbton weiß) über dem Bestand, womit auch der ursprüngliche Bestand erhalten bliebe und von folgenden Generationen freigelegt und restauriert bzw. rekonstruiert werden könnte. Dies ist einerseits eine Neuinterpretation, andererseits ist der Aufwand gering. Im Eingangsbereich befinden sich vorgeblendete Säulen mit Pilaster, Gewölbe, Gurte und böhmische Kappen. Der Ausschnitt, der von den vorgeblendeten Säulen begrenzt wird, wurde retuschieren – sichtbar gemacht. Damit wird gewissermaßen „ein Fenster in die Geschichte gezeigt“.

Installation Stiegenhaus: Der neue Hauptverteiler, welcher mit Sicherungen und Zählern ausgestattet ist, wurde im Keller installiert. Darüber hinaus wurden neue Zuleitungen für Strom, Schwachstrom und die Klingelanlage installiert, die zu den einzelnen Wohnungen führen und auch die oberen Stockwerke erschließen.

Lichtkonzept: Für das Stiegenhaus wurde ein neues Leuchtenkonzept entwickelt. Zur Inszenierung des Treppenhauses und zur Gewährleistung einer adäquaten Beleuchtung wurden dezente Leuchtquellen installiert. Der retuschierte Ausschnitt, der den Titel „Ein Fenster in die Geschichte“ trägt, erfährt durch die spezifische Beleuchtung eine Aufwertung.

Hauseingangstüre: Die historischen Profile wurden instandgesetzt und mit einem Braunton versehen. Die Türblätter sind aus Lärchenholz gefertigt. Durch das Aufwerten mit einer Lasur in einem Braunton wird das „minderwertige Holz“ veredelt, d.h. man möchte hier Nussholz imitieren.

Hintereingangstüre: Das Türblatt und der Türstock wurden angeschliffen und mit einem weißen Farbton versehen, sowohl auf der Innen- als auch auf der Außenseite. Die Festlegung der Farbgebung erfolgt nach vorheriger Absprache mit dem BDA.

Kellertüre: Die Tür wurde in der Folge zusammenleimt, anschließend abgeschliffen und sowohl außen als auch innen weiß gestrichen.

Dachbodentüre: Im Rahmen der durchgeführten Maßnahmen wurde der Drücker ausgetauscht, das Türblatt geschliffen und mit einem ausgewählten Schwarzton gestrichen.

Der Handlauf im Treppenhaus: Die fehlenden Elemente des Handlaufs wurden rekonstruiert. Der Handlauf wird in seiner Gesamtheit beibehalten. Bezüglich des alten Metallgitters unterhalb des Handlaufs ist festzustellen, dass dieses unverändert blieb.

Eingangsbereich: Der Handlauf ist ein wesentlicher Bestandteil vom gesamten Raumkonzept. Dieser wurde durch ein filigranes Stahlrohr (Farbton schwarz-grau) sowie im Bereich des Abgangs zum Hintereingang ersetzt.

Fenster im Stiegenhaus: Der Fensterstock sowie die Fensterflügel wurden auf der Innenseite mit einer weißen Beschichtung versehen. Die Außenseite ist in einem Braunton gestaltet, der dem Bestand entspricht. Die Fensterbänke wurden rekonstruiert, wobei die Fensterprofile in den Wohnungen als Referenz dienten. Diese sind in der Regel weiß gehalten.

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